In meiner fast zehnjährigen beruflichen Tätigkeit mit Menschen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, habe ich mein fachliches Fundament aufgebaut. Neben meiner Mitarbeit in einer Frauen- und Kinderschutzwohnung habe ich eine Beratungsstelle für Menschen mit Gewalt- und Stalking-Erfahrungen in Döbeln geleitet. Diese intensive Arbeit hat mich fachlich wie persönlich nachhaltig geprägt.

Die Arbeit im Kontext häuslicher Gewalt macht deutlich, dass familiäre Beziehungen sehr unterschiedliche Erfahrungen beinhalten können. Für manche Menschen sind sie von Nähe, Verbundenheit und Sicherheit geprägt, für andere jedoch von anhaltender Verunsicherung, Angst und dem Gefühl, sich ständig anpassen oder schützen zu müssen. Häusliche Gewalt wirkt dabei häufig leise, schleichend und über längere Zeit – und greift tief in das Erleben von Selbstwert, Vertrauen und Handlungsspielräumen ein.

In diesem Zusammenhang hat mich immer wieder die Frage bewegt, wie es kommt, dass Menschen in solchen Beziehungskonstellationen verbleiben. Die vielen vertrauensvollen Gespräche haben mir gezeigt, dass wir alle von inneren Überzeugungen, Beziehungserfahrungen und erlernten Mustern geprägt sind – gewissermaßen unserem „inneren Betriebssystem“. Diese Prägungen können uns stärken und Orientierung geben. Sie können uns jedoch auch unbewusst binden und dazu führen, dass wir eigene Grenzen schwer wahrnehmen oder immer wieder ähnliche, belastende Dynamiken erleben.

Das vertiefte Verständnis für diese inneren Zusammenhänge und ihre Veränderbarkeit war ein zentraler Impuls für meine Entscheidung, mich therapeutisch weiterzubilden. In meiner Arbeit ist es mir besonders wichtig, Menschen wertschätzend zu begleiten, ihre vorhandenen Ressourcen sichtbar zu machen und sie dabei zu unterstützen, neue Perspektiven und selbstbestimmtere Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.